Zurück im städtischen Leben

Es war ein Abend voller bewegender Momente: Die Einen fühlten sich in ihre Jugendzeit zurückversetzt, die Anderen staunten, welche Schätze eine Kleinstadt mitten in Brandenburg zu heben vermag. Und Bühnenlegende Herbert Köfer hatte allen Grund, Hoffnung für die Zukunft des Theaters zu schöpfen: „In einer Zeit, in der in Berlin zwei der ältesten und wichtigsten Bühnen der Stadt der Abrissbirne überlassen wurden, ist hier dieses wunderschöne Haus entstanden.“ Das Deutsche Haus am Tor zur Beelitzer Altstadt ist nach anderthalbjähriger Sanierung seit dem vergangenen Wochenende wieder mitten drin im öffentlichen Leben der Spargelstadt.

Und dass es in Zukunft Schauplatz vieler niveauvoller Musik- und Theaterabende, herzlicher Familienfeiern und vieler anderer Veranstaltungen sein wird, davon bekamen die Gäste der feierlichen Eröffnungsveranstaltung eine lebhafte Vorstellung. Denn zur Premiere der Spielstätte gab es ein Konzert der Dresdner Salondamen. Die fünf professionellen Musikerinnen haben sich der Musik der 1920er und 30er Jahre verschrieben – und konnten mit Titeln wie „Das gibt’s nur einmal“ oder „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ eine klangvolle Brücke schlagen, zurück in jene Zeit, in der das Deutsche Haus wie auch die Stadt insgesamt eine erste Blüte erfahren hatte.

„Es ist ein emotionaler Ort, der schon immer eine wichtige Rolle im Stadtleben gespielt hat“, sagte Bürgermeister Bernhard Knuth über das Objekt, dessen Geschichte bis ins späte 18. Jahrhundert zurückreicht. „Jetzt, wo schon keiner mehr daran geglaubt hat, hat er den Weg zurückgefunden in diese Stadt.“ Mit dem Deutschen Haus sei aber auch ein Ort geschaffen worden, den noch viele Generationen nach uns nutzen werden. Der Bürgermeister selbst hatte sich für die Rettung des Ensembles stark gemacht. Nachdem die Stadt das Objekt aus dem Nachlass der einstigen Eigentümerfamilie Lintow gekauft hatte, wurde es den Stadtwerken Beelitz zur Sanierung übergeben. Deren Geschäftsführer Albrecht Hollopp erinnerte an das damalige Aussehen der Ruine: „Jeder, der früher über diese Kreuzung fuhr, hat gar nicht mitbekommen, dass dahinter eine wunderschöne Altstadt liegt.“ Er bedankte sich bei den vielen Partnern, unter anderem der Stadtkontor GmbH, welche die Bauherrenvertretung übernommen hatte.

Für die Bausumme von rund 4,5 Millionen Euro seien zur Hälfte Beelitzer Firmen beschäftigt worden, berichtete Hollopp, die meisten weiteren Aufträge seien an Unternehmen aus der Region gegangen. „Das war auch unsere Strategie: Die Firmen haben ihr Bestes gegeben weil sie wussten, dass sie hier auf dem Präsentierteller arbeiten.“ Lob gab es für das Projekt auch von Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider. Das Land hat die Sanierung mit rund 600 000 Euro aus der Städtebauförderung bezuschusst. „Die Stadt hätte ihr Gesicht komplett verändert, wäre nicht der Mut da gewesen, dieses Ensemble zu retten und wieder mit Leben zu füllen“, so Schneider. „Es wäre ein riesiger Verlust für Beelitz gewesen.“ So sah es auch ihr Kollege Jörg Vogelsänger: Der Minister für Landwirtschaft beklagte, dass es viele solcher Säle und Häuser im Land gar nicht mehr gibt. „Es ist sehr schön, dass hier der Erhalt gelungen ist.“

Die meisten Premierengäste waren aber Beelitzer – und einige konnten sich noch an die früheren Feiern im Deutschen Haus erinnern. So berichtete Johanna Ranneberg, wie Anfang der 1960er bis nachts getanzt wurde, obwohl die Füße schon wehtaten. „Es ging dann halt auf Strümpfen weiter.“ Und wie die Feuerwehr nach Einsätzen hier gemeinsam einkehrte und die Wirtin Frau Lintow das Haus öffnete und schon die Würstchen auf dem Herd zu stehen hatte. „Wir Frauen sind dann auch noch hinterher, um nach unseren Männern zu sehen.“ Johanna Ranneberg, die mit einem langjährigen Beelitzer Feuerwehrmann verheiratet ist, hatte am Freitagabend ebenfalls noch einen Auftritt – gemeinsam mit dem Frauenchor Beelitz, der nicht nur für die Eröffnungsmusik sorgte, sondern auch eine Linde an die Hausherren übergab.

Es könne durchaus passieren, dass „Hannchen“ auch in Zukunft wieder nachts ins Deutsche Haus eilen muss, bemerkte Bürgermeister Knuth. „Denn die Feuerwehr wird ihre Jahreshauptversammlungen hier ausrichten.“ Ein Anlass von vielen, der das Haus wieder mit Leben füllen wird.

Text Thomas Lähns 04.02.2019

 

 

„Gänsehaut und Begeisterung“

Was für ein strahlender Höhepunkt im nassgrauen Februar, in unserer Stadt, mit der Eröffnung des Deutschen Hauses „Rudolf Lintow“.

An zwei Tagen wurde der neue, nach altem Vorbild rekonstruierte Saal mit einem Programm der Dresdner Salon-Damen eröffnet. An beiden Tagen war der Saal ausver-kauft.

Die Beelitzer nutzten die Gelegenheit um zu schauen. Alle waren sehr gespannt. Die Begeisterung war letztendlich überwältigend. Viele hatten es sich so schön nicht vorgestellt. Es kamen bei vielen Gästen Erinnerungen an frühere Zeiten hoch. Die Gespräche mit vielen bestätigten: toll das dieser Saal uns erhalten geblieben ist. Man kann das Gefühl, das man beim Eintritt in diesen wunderschönen Saal hatte, nicht in Worte fassen. Gänsehaut pur. Wahnsinn, was hier in nur sehr kurzer Bauzeit geschaffen wurde. Nach langem Ringen um das historische Bauwerk ist nun ein wunderschönes Kleinod entstanden.

Es wurde in der Eröffnungsveranstaltung ganz vielen Unterstützern und Helfern gedankt. Ich möchte an dieser Stelle unserem Bürgermeister Bernhard Knuth ganz herzlich für sein Engagement danken. Er hat nicht aufgegeben um diese Immobilie zu kämpfen, zu erhalten und wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Jedes kleinste Detail wurde von ihm mitgestaltet. Dafür gebührt ihm großer Dank und Anerkennung.

Karin Höpfner - Beelitz 26.02.2019