13. Juli 2019 / Beelitz

 

Denkmal des Monats - Das Deutsche Haus in Beelitz

In Beelitz ist heute das Denkmal des Monats Juni ausgezeichnet worden: Das frisch sanierte Ensemble "Zum Deutschen Hause" hat als siebentes Gebäude in der Spargelstadt die Plakette der AG Städte mit historischem Stadtkern Brandenburg erhalten. In früheren Jahren sind bereits die Wunderblutkapelle, die Diesterwegschule, das heutige Verwaltungsgebäude am Kirchplatz 5, das Rathaus selbst, der Schmiedehof und das Wohn- und Geschäftshaus in der Berliner Straße 200 auf diese Weise in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt worden.

Nach Jahrzehntelangem Leerstand und dem zunehmenden Verfall der einstigen Traditionsgaststätte mit Kino war Mitte 2017 mit der Sanierung des "Deutschen Hauses" begonnen worden, die Investitionskosten von 4,5 Millionen Euro waren mit 600 000 Euro aus Städtebaumitteln vom Land bezuschusst worden. Das Gebäude, vor allem der Festsaal im hinteren Teil, ist für viele Beelitzer ein Ort, mit dem sie konkrete Erinnerungen verbinden - Hochzeiten, der erste Tanz mit dem späteren Partner oder denkwürdige Vereinsversammlungen. Deshalb - und aufgrund der exponierten Lage am Tor zur Altstadt - hatte die Stadt das Ensemble aus dem Nachlass der letzten Eigentümerin erworben und zur Entwicklung an die Stadtwerke weitergegeben.

"Wir haben eine Verpflichtung gegenüber der Geschichte und den Generationen, die vor uns gewirkt haben", sagte Bürgermeister Bernhard Knuth. Denn gerade sie hätten viele bleibende Werte für die Stadt und die Einwohner geschaffen. "Aus diesem Grund sollte man mit der historischen Bausubstanz behutsam umgehen, und das ist hier hervorragend gelungen." Nicht zuletzt hätten auch die folgenden Generationen einen Anspruch, das Erbe der Stadt zu erfahren - und zu nutzen. Dass das "Deutsche Haus" eine große Rolle für die Bevölkerung spielt, habe auch er immer wieder erfahren, berichtete Stadtwerke-Geschäftsführer Albrecht Hollopp: "Das große Interesse der Bevölkerung schon während der Bauzeit hat mich sehr gefreut. Ich bin so oft angesprochen worden, wie es voran geht, wann es fertig wird." Der Andrang zur Eröffnung am 1. Februar habe dann nochmal eindrucksvoll gezeigt, dass das Haus von den Beelitzern angenommen wird.

Während die Stadt selbst den großen Saal gepachtet hat und zur Nutzung auch vermietet, wird das Haupthaus an der Straße von der Fichtenwalder Gastronomin Ilmay Schrödl betrieben. Die "Perla Siciliana" bietet leichte italienische Küche, übernimmt auf Wunsch auch das Catering zu Veranstaltungen und betreibt außerdem die sieben Gästezimmer im Obergeschoss. Veranstaltungen hat es im Saal schon einige gegeben - allein die Stadt und der Kulturverein haben hier schon gut zwei Dutzend Termine anberaumt, hinzu kommen Tagungen und Feiern von Vereinen, Unternehmen und Bürgern.

Das Deutsche Haus passe vor allem auch deshalb gut zum Jahresthema der Städte-AG, wie Claudia Mucha aus der Geschäftsstelle in Potsdam unterstrich: "Stadtwärts - zu Gast in der Mark". "Es geht um Gastfreundschaft und Beherbergung, da passt dieses Objekt hervorragend hinein." Seit mittlerweile 20 Jahren werden Gebäude von der Städte-AG ausgezeichnet, "es sind Denkmale, die liebevoll saniert wurden und welche die Tradition, die in den Städten gelebt hat, noch heute greifbar machen, sie auch für die Zukunft bewahren."

Die Geschichte des Deutschen Hauses reicht übrigens bis zu Friedrich II. zurück: Der hatte das Grundstück vor der Altstadt seinerzeit dem Kreisgärtner Schlicht übereignet. Hundert Jahre später wurde unter der Beelitzer Familie Lintow daraus ein florierendes Ausflugslokal. Ab 1911 wurden in dem Großen Saal auch Kinofilme gezeigt. Bis Anfang der 1970er hatte das Haus noch regelmäßig für Feiern geöffnet. Die letzte Eigentümerin und Nachfahrin der Familie Lintow verstarb 2012.


Thomas Lähns
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